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(C) Florian Machl
Passend zur aktuellen Editorials-Diskussion darf hinterfragt werden, ob für ein solchermaßen reduziertes Programm 10 Euro Eintritt gerechtfertigt sind. Pferdeshow hin oder her.

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Auf sehr schmalem Areal ritten die Turnierritter von Heimdalls Erben ihr Programm. In der Mitte einige der Hauptdarsteller in Form von Plastikluftballons. Gab es im Mittelalter noch kein Obst und Gemüse zum Zerhackstücken?

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Prioritäten. Das Areal war zugepflastert mit Werbeplakaten für das nahende Bühnenstück für das extra der gesamte Burghang mit modernem Gemäuer zugepflastert worden war.

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Ein anderer Gedankengang als "es is eh schon alles Wurst" kann bei der Genehmigung dieser Mauerbauten am Fuße der Burg eigentlich nicht im Spiel gewesen sein. Aber man erhofft sich wohl von der solchermaßen entstandenen "Naturbühne" regionale Impulse.

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Die Umbauarbeiten waren nicht ganz fertig geworden. Das abschüssige Areal rechts eignete sich nicht wirklich als Fläche für Lagerleben.

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Beachtlich: Im mobilen Museum von Heimdalls Erben wurden viele Fund- und andere Ausstellungsstücke, hauptsächlich aus dem Frühmittelalter gezeigt.

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Seltenheitswert haben so aufwändige Auftritte wie der jener Wikinger, die mit einem Langhaus angereist sind.

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Früh dran. Munterer Lagerabbau schon lange bevor der Markt offiziell zu Ende ging.

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Das neue Burgmuseum umfasst zwar nur zwei Räume, einer davon ist jedoch museumspädagogisch sehr ansprechend: Die Herrschaften in den Bilderrahmen sind sprechende Animationen, die interessante Dinge zu berichten wissen.

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Liebe zum Detail kann man den Veranstaltern in diesem Jahr leider nicht unterstellen.

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Und wenn dies der Ersteindruck des Besuchers ist, der das Museum im Getreidespeicher besucht, dann dürfte irgendetwas bei den Vorbereitungen nicht ganz geklappt haben. Und wenn es nur der Schlüsseldienst war, der das Gebäude unzugänglich machen hätte sollen.


Mining sehen und wundern
Extrem reduzierte Frauensteiner Ritterspiele
Florian Machl
24.05.2012 15:22

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Es war das erste richtig umkämpfte Veranstaltungswochenende des Jahres: Böhmischer Prater. Plankenstein. Marchegg. Und irgendwo an der deutsch/österreichischen Grenze nahe Schärding und Passau war noch ein Fest. Das Mittelalterfest nahe der kleinen verschlafenen Gemeinde Mining, auch bekannt als Frauensteiner Ritterspiele. Schon zum achten Mal stattfindend, kannte man es bislang als kleine aber feine Veranstaltung. Veranstalter ist der Verein Tempus Rapax dem auch der ansässige Burgwirt angehört. Doch leider – im Jahr 2012 musste sich der Besucher über vieles wundern, so er das Fest überhaupt fand...

Was ist passiert, mit dem lauschigen Festchen, wo sich hinter einem malerischen Torhaus am Fuße einer mehr oder weniger ramponierten Burg Lagergruppen aneinanderkuschelten, gegenüber einer langen Reihe von sonst nicht all zu vielen aber gut ausgewählten Händlern? Und wo waren all die Besucher, die früher in durchaus respektabler Zahl nach Mining gepilgert sind? Diese waren nicht das einzige, was auf den ersten Blick fehlte. Schon vor dem Festgelände vermisste man jegliche Form von Hinweisschild oder Plakat – zumindest auf österreichischer Seite – gleich nach der Burg und dem Inn ist deutsches Staatsgebiet. Von Mining aus gibt es nicht einmal ein reguläres Straßenschild, das auf das “Schloss Frauenstein” hinweisen würde.

Programmgestaltung einzigartig.

So konnte man terminlich knapp vor der letzten Reitervorführung sehr nahe am Eingang einen Parkplatz finden. Der Markt selbst verfügte über eine Programmgestaltung, die unser Redakteur in dieser Form noch nie gesehen hat. An den eigentlich als sehr besucherstark einzuschätzenden Tagen des verlängerten Wochenendes, dem Fenstertag Freitag und dem Samstag, sperrte der Markt erst um 15:00 Uhr auf.  An diesen Tagen wies das offizielle Programm im Prinzip zwei Programmpunkte aus. 18:00 Uhr Musik mit Fatzwerk. 20:00  Uhr Reitershow, direkt im Anschluss Feuershow. Am Donnerstag und an meinem Tag unseres Besuches, dem Sonntag, öffnete der Markt immerhin bereits um 10:00 Uhr. Und es gab auch jeweils zwei Pferdeshows. Und Musik. Und aus.

Nette Veranstalter, höfliche Mitarbeiter

Sehr nette, gewandete Menschen begrüßten den Gast an der Kassa. Kurz danach ein Schild: “Rundgang”. Links die Händlermeile, rechts die Arena. Der Rundgang war dem Redakteur neu, allerdings hatte er den Veranstaltungsort auch zwei Jahre lang nicht gesehen. “Und jetzt simmer schon wieder da, gell?”, sollte mein Begleiter, einer der zuvorkommenden Veranstalter vom Verein Tempus Rapax etwa zehn Minuten später sagen. Es gibt auch kurze Rundgänge. Es gibt auch kleine Märkte. Das sah man am Eingang allerdings noch nicht, wo der reguläre Eintritt von 10 Euro betrug. Es wären einige Händler nicht gekommen, erklärt man uns. Insgesamt hatten es wohl allerhöchstens neun Anbieter nach Mining geschafft, wenn man wohlwollend einen Schmuckhändler im Plastikpavillon und den Wanderbäcker mitzählte. Dafür gab es ein unvermutetes Wiedersehen mit dem Wissensbringer, dem berühmt-berüchtigsten Buchhändler. Highlight des Rundganges war sicher das Museumshaus mit Deko des Vereines Heimdalls Erben, die als Headliner für das Ritterturnier zu Pferd zuständig waren. Die reichhaltigen Ausstellungsstücke wiesen auf einen intensiven Hang zum Frühmittelalter hin.

Was vom Programm übrig blieb.

Es ging sich aus, die letzte Nummer des Auftrittes der deutschen Musikgruppe Fatzwerk zu hören. Grundsolide Marktmusik, da gibt es, betrachtet am Schnitt der Genremusik, nichts zu meckern. Recht viel mehr als zwanzig bis dreißig Zuhörer hatten sie zu diesem Zeitpunkt leider nicht mehr um sich geschart. Schade, denn von etwas Hutgeld würde sich vielleicht auch ein besseres „Bühnenoutfit“ als die Standardtunika in Einheitsfarbe ausgehen. Danach die Pferdeshow von Heimdalls Erben. Die Show wurde in hochmittelalterlich anmutendem Outfit geritten. Der Redakteur gesteht, länger als 15 Minuten hat er nicht durchgehalten. Dabei schien es hauptsächlich darum zu gehen, mit verschiedenen Waffen arme, unschuldige, wehrlose Luftballons zu massakrieren. Es zeigte sich, dass die Raumplanung verbesserungsbedürftig war, denn den Hauptteil der zur Verfügung stehenden Fläche nahm eine große Metalltribüne ein. Für zwei Turnierbahnen blieben geschätzt maximal acht Meter Platz – nicht allzuviel, wenn man bedenkt, dass diese Fläche auch mit verschiedenen Gegenständen  verstellt war, die einen Zweck in der Show erfüllen sollten.

Alles nicht so einfach.

„Es wäre alles nicht so einfach gewesen“, sagte man uns. Weil ja die Naturbühne gebaut wird. Richtig, gleich angrenzend an die Reitbahn begannen moderne Mauerstücke, die jeder Standard-Garteneinfassung gerecht geworden wären. Der gesamte Hang zur Burg hin wurde umgestaltet. In einer Art und Weise, die eigentlich dazu geeignet sein sollte, die Verantwortlichen auf Zuruf des Bundesdenkmalamtes einem schlimmen Schicksal zuzuführen. Es war aber nicht nur dort gebaut worden, bis zum Aufbautag standen die Baumaschinen am Gelände. Und hatten versucht, durch Aufschüttungs- und Planierungsarbeiten Platz für Lagergruppen zu machen - leider ohne besonderen Erfolg. Das Resultat war ein Hang aus lockerem Geröll, untauglich zum Aufbau von Zelten.

Lauschige Lager, versprengt.

Dieser Punkt war bei früheren Festen eigentlich kein Thema. Die etwas reduzierten Gruppen, die diesmal da waren, lagerten deshalb vor allem neben den Hauptwegen nahe dem Eingang. Mit etwas wenig Platz, aber lauschig, unter riesigen alten Bäumen. Manche mussten ihr Lager aufteilen und verlegten einige Zelte ein Dutzend Meter weiter. So gut wie alle waren schon damit beschäftigt, mehr oder weniger sichtbar die Lager abzubrechen. Vor allem die Wikinger die wieder einmal ihr großes Langhaus aufgebaut hatten, waren ein absoluter Augenschmaus. Und insgesamt, auch wenn verstreut, war die Auswahl der Gruppen doch recht passabel. Und in einem Ungleichgewicht zum sonstigen Angebot des Tages. Gefühlt deutlich mehr Lager als Händler.

Eins noch.

Es wäre uns sicher entgangen, hätte man nicht dankenswerter Weise darauf hingewiesen. Oben, im Tavernengebäude war ein neues Museum eröffnet worden. Es bestand aus zwei Räumen. Einem mit vielen erklärenden Bildern und Tafeln, leider keines davon ein historisches Original. Der zweite Raum war hingegen innovativ. Die Idee gut, die Umsetzung ebenso. In mannshohen Bilderrahmen waren Bildschirme versteckt, in denen vier historische Figuren auf Knopfdruck interessante Details über die Geschichte des Landstrichs erzählten. Ob die Bezeichnung Museum nicht etwas ambitioniert und verfrüht gewählt wurde, darf sicher diskutiert werden, doch der moderne pädagogische Ansatz ist erwähnenswert. Im ehemaligen Getreidespeicher nebenan gab es auch noch eine Fülle an Schautafeln zu bewundern. Leider waren diese Räume das, was man im Englischen mit „a mess“ umschreiben würde. Unaufgeräumt und chaotisch. Unverständlich, dass sich dies nicht vor oder zumindest während der Veranstaltung verbessern ließ, denn ein Stockwerk darüber wäre viel Staufläche für Unnötiges zur Verfügung gestanden.

Es bleibt die gute Hoffnung.

Zur Ehrenrettung des Festes tragen die Fotos von zwei Lagerteilehmern, Maria Linecker und Heinrich Wittmeier bei. Sie steuerten viele Schnappschüsse zur Huscarl Bildergalerie bei, die zeigten, dass zumindest die Lagerleute auf diesem Fest viel Spaß haben konnten, den sie auch selbst mitgebracht hatten. Also, was hat diesmal dazu geführt, dass Mining 2012 so dermaßen reduziert war? Im Gegensatz zu anderen Orten, wo einem vergleichbar Dürftiges geboten wird, ist das Problem hier sicher keine Gewinnsucht oder gar Täuschungsabsicht gegenüber den Besuchern. Hier muss im Hintergrund einfach sehr, sehr viel schief gegangen sein. Zu viel, um darüber zu spekulieren. Aber die Hoffnung bleibt bestehen, auch aus der Erfahrung der Vergangenheit begründet, dass das kommende Jahr wieder besser wird. Viel besser. Das hat sich Mining verdient. Und jeder Gast. Und jeder einzelne Mitwirkende auch.


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Der Bogenstand Gesierich

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1. Kommentar von Cathal Lochlanson am 31.05.2012 um 20:59

Seltsames Fest - und doch Qualität da
Lieber Flo,

die Augenschmaus-Wikinger haben einen Namen. "Cullach Cuthach" bieten eigentlich noch viel mehr als ihr transportables Langhaus. Neben fundierten Wissen auch zum Beispiel eine recht ansehliche Homepage: http://cullach-cuthach.de/main.html
Ich denk, diese Gruppe kann man, auch wenn sie aus Bayern und nicht aus Österreich stammt, ruhig mal erwähnen...

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2. Kommentar von Florian Machl (Administrator) am 31.05.2012 um 21:03

Danke!
Kann man nicht nur, muß man sogar!
Danke.

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