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(C) Gerhard Lang
Gute Stimmung drinnen bei den Wienischen Hantwercliuten 1350, die mittelalterliches Handwerk erklären...

(C) Werner Maier
... und draußen mit dem Narrenduo Torxes und Pixel, die nicht nur sich selbst zum Narren halten.

(C) Florian Machl
Künstler verzaubern mit ihren Darbietungen. Ob Kerry Balder mit ihrer Kontaktjonglage ...

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... oder Spielweib Rowanne und Arnulf, das Schandmaul, bei ihrer Doppelconference in der Schloßkapelle.

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Im barocken Gartenzimmer ließ die Gruppe "Klingenspiel" ihre Degen sprechen...

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...während im Burghof die historischen Blasinstrumente des Linzer Ensembles "Musica Turris" erschallten.

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Schauschmied Sigi lädt unermüdlich Groß und Klein zum Mitmachen ein.

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Ein besonderer Moment: Ritterschlag durch einen echten Lehensherrn, den Burgbesitzer und Mitveranstalter Carl Philip Clam Martinic.

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Wohlklingende Melodien auf mittelalterlichen Instrumenten gespielt: die fachkundigen Musiker von Eulenspiel.


Burgbelebung Clam
Vom Keller bis zur Beletage kopfüber ins Mittelalter
Andrea Koppel
01.12.2011 13:00

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Was lange währt, ward endlich gut. Standen die Chancen für das schon lange erwartete Mittelalterfest auf der Burg Clam noch vor einigen Monaten ziemlich schlecht, wendete sich glücklicherweise nun das Blatt für die Veranstalter und zahllose interessierte Besucher, die den viel versprechenden Ankündigungen gefolgt waren. Von 15. bis 16. Oktober 2011 war es endlich so weit: Die seit ihrer Erbauung durchgängig bewohnte Burg Clam erstrahlte im mittelalterlichen Glanz. Sowohl in den Höfen als auch in den Prunkräumen im Inneren zeigten Darstellergruppen aus verschiedenen Epochen ihr Können. Mittelalterliche Musik, höfische Tänze, Handwerk, Schaukochen und vieles andere machte Jung und Alt Appetit auf lebendige Geschichte.

Schon von weithin sichtbar, thront die vollständig erhaltene, gotische Burg Clam auf einem mächtigen Granitfelsen und blickt über das grüne Hügelland der Donauregion. Im Jahre 1149 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, ist das herrliche Bauwerk schon seit 23 Generationen von der Grafenfamilie Clam Martinic bewohnt. Am Wochenende von 15. bis 16. Oktober 2011 bekamen der Besitzer und seine Familie Besuch von einer großen Gästeschar: In den Räumlichkeiten des Burgmuseums und teilweise sogar in den Wohnräumen schlugen historische Darsteller ihre Lager auf und bevölkerten die herrlich ausgestatteten Zimmer. Im Burghof luden Zelte und Lager eng an eng zum Hinschauen und Verweilen ein. Kurzum, die ehrwürdigen Mauern waren Mittelpunkt eines sehr stimmungsvollen Mittelalterfestes, das vom Burgbesitzer Carl Philip Clam Martinic in Zusammenarbeit mit Huscarl Events veranstaltet und das ganze Wochenende über vom ungewöhnlich schönen Herbstwetter begünstigt wurde.

Mitten drin im Mittelalter
anstatt draußen vor der Absperrung


Dieses Fest konnte im wahrsten Sinne des Wortes als barrierefrei bezeichnet werden. „Draußen bleiben“ hieß es einzig und allein – absolut gerechtfertigt – beim Privatbereich der Burgbesitzer. Die meisten anderen Teile der Burg waren frei zugänglich und Schauplatz für lebendig präsentierte Geschichte. Während sich andernorts Mittelalterfeste um ein historisches Bauwerk gruppieren und nur selten die Chance besteht, die zur Kulisse degradierten Burgen und Schlösser eingehend zu besichtigen, gingen die Veranstalter hier neue Wege und integrierten auch die Innenräume in das Festgeschehen. Dabei stellten viele Programmpunkte die kleinen Gäste in den Vordergrund und boten ihnen die Möglichkeit, mit dem Mittelalter auf Tuchfühlung zu gehen.

Berührungsängste gab es dabei seitens der Darsteller und Künstler keine – ganz im Gegenteil. Sämtliche Darbietungen waren bewusst offen gestaltet und luden zum Ausprobieren oder Mitmachen ein, die Gruppen freuten sich über interessierte Fragen und traten in einen regen Austausch mit den Besuchern. Vieles wurde detailliert erklärt, mancherorts waren sogar Ausstellungstische gestaltet und mit gut aufbereiteten Informationen versehen.

Spielerische Wissensvermittlung und
Geschichte zum Angreifen


Die für dieses Fest engagierten Darstellergruppen - sowohl im Burginneren als auch in einigen Schaulagern im großen Burghof - zeigten mit ihren Fertigkeiten ein hohes Niveau. Leider würde eine vollständige Aufzählung aller Mitwirkenden den Rahmen dieses Berichts sprengen. Deshalb seien hier nur beispielhaft einige Gruppen genannt, unter denen sich auch noch relativ unbekannte Darsteller am Geschehen beteiligten. Dabei besuchte die Autorin den Museumsrundgang "gegen den Strom" und erklomm zuerst die Treppe, die den großen Burginnenhof mit den Innenräumen verbindet: Das erste Zimmer, mit barocken Fresken einer Gartenlandschaft ausgestattet, war durch die Gruppe Klingenspiel bestens belebt, welche sehr engagiert die Fechtausbildung junger Adeliger und höfische Tänze aus dem 18. Jahrhundert zeigte.

Einige Jahrhunderte weiter zurückversetzt, fühlte man sich in den Räumlichkeiten des Burgmuseums, das mit erlesenen Antiquitäten und Erbstücken an die Glanzzeit der Grafen von Clam erinnerte und zugleich die Gruppen Alta Amicitia und Eulenspiel mit ihren historischen Näh- und Stickereiarbeiten beherbergte. Musiker der letztgenannten Darstellergruppe verzauberten nebenan mit auf historischen Instrumenten gespielten, mittelalterlichen Weisen ihre Zuhörer.

Wenige Schritte weiter glänzten dann nicht nur erstaunte Kinderaugen angesichts der sich eifrig drehenden Handspindel, die von fachkundigen Händen der noch jungen, aber darstellerisch schon sehr ausgereiften Gruppe "Wienische Hantwercliute 1350" am Laufen gehalten wurde. Das breite Spektrum ihrer Darstellung schloss auch die Anfertigung von Weidenprodukten und handgekämmter Wolle sowie einen detailliert gestalteten Schautisch zur Erklärung der historischen Arbeiten und Materialien ein. Im Hintergrund ertönte der Hammer eines Plattners, der Rüstungsteile nicht nur für Menschen, sondern auch für eine kleine Heerschar von Plüschtieren herstellte, die sich um den fleißigen Handwerker gruppierten. Hier konnten Kinder selbst einmal zum Schmiedehammer greifen und ihr Geschick bei der Metallbearbeitung erproben. Apropos Rüstung, auch waffentechnisch war etliches zu bestaunen. Ordensritter verschiedener Gruppen präsentierten ihre Ausrüstung, die Gruppe "Vita Mercato - das Kärntner Gesinde" zeigte eine Rüst- und Waffenschau, die diesmal auch spätmittelalterliches Kriegsgerät beinhaltete, und im Keller hatten die Henker mit ihrem blutigen Handwerk Einzug gehalten.

Musikalische Genüsse waren auch beim Spielweib Rowanne in der gotischen Burgkapelle zu erleben. Mit viel Witz präsentierte sie, zeitweise in kongenialer Doppelconférence mit Arnulf, dem Schandmaul, allerlei historisches Liedgut und sorgte auch als Solomusikerin für erfolgreiche, kurzweilige Auftritte.
Die Musik von Rowanne und "Musica Turris" bildete außerdem eine wunderbare Kulisse für eine Messe nach historischem Vorbild, die vom mittelalterbegeisterten Pfarrer Franz Zeiger liebevoll gestaltet wurde. Er reiste dazu eigens aus Linz an und machte die Messe durch die Einbindung und Erklärung interessanter historischer Fakten zu einem besonderen Ereignis. Unter den Besuchern befand sich auch der Burgherr mit seiner Familie, der von dieser außergewöhnlichen Messe ebenso begeistert war.

Händler, Handwerker und Gastronomen –
ein Marktangebot für alle Sinne


Das Angebot der Gastronomen und Händler in den Höfen konnte sich sehen lassen. Aus allen mittelalterlichen Lebensbereichen gab es etwas zu kaufen, wobei das Angebot an Waren handverlesen wirkte. Kitsch war so gut wie gar nicht zu finden. Bereits etablierte Händler wie die Gewandungsschneiderin La Regine, die Waydwerker mit allerlei historischen Gebrauchsgegenständen oder der Bogenstand von Jörg Gesierich fanden sich zwischen Anbietern wie dem tschechischen Schuhmacher Alanky oder Spindelberger mit seinem handgemachten Schmuck.

Auch für das leibliche Wohl war mit einer variantenreichen Gastronomie gesorgt. So war beispielsweise der Stand vom Wildschütz Fritz Fux, schon durch den herrlichen Duft seiner Wildspezialitäten leicht zu finden. Torxes' Narrenküche bot diverse warme Speisen. Abgerundet wurde das vielgängige Mahl durch einen ordentlichen (türkischen) Kaffee im zweiten Wohnzimmer der Mittelalterszene - dem Mokkazelt "Zur alten Laterne". Daneben gab es noch Met, Marmeladen, Spezialbier und selbstverständlich Süßes von Isi's Spezereyen zu erstehen.

Von Besuchern und Darstellern waren einige Beschwerden über die Qualität der Narrenküche von Torxes zu vernehmen, da manche Gerichte im Eifer des Gefechtes wohl viel zu stark gewürzt sowie zum Teil noch nicht ganz durch waren. Hier besteht offenbar noch Verbesserungsbedarf.

Ein buntes Programm sorgte für Abwechslung

In der Burg sowie im großen Burghof spielte sich ganztägig bis zum Schließen der Tore ein buntes Programm für Groß und Klein ab, das vom stimmgewaltigen Herold Franz Posch, sonst auch bekannt als "Kastellan von Eulenspiel", moderiert wurde. Neben klassischen Programmpunkten wie Schaukämpfen, Vorführungen der Henker und Einlagen der Narren Torxes und Pixel, gab es einige ganz besondere Höhepunkte. Zum einen konnte die historische Bläsergruppe Musica Turris für das Fest gewonnen werden, die mit ihrem Können und den alten Instrumenten das Publikum verzauberte und dem Fest am Sonntag mit einer klangvollen Schlussfanfare ein würdiges Ende bereitete. Zum anderen traten die Schandgesellen in fast vollständiger Besetzung auf und sorgten mit ihren Auftritten für Begeisterung. Zusätzlich gaben die beliebten Musiker aus Wien auch der Künstlerin Kerry Balder bei ihrer anmutigen Kontaktjonglage musikalisches Geleit. Die glänzenden Kugeln schienen mit ihren Händen und Armen verwachsen zu sein und faszinierten sogar die kleinsten Besucher, die gebannt ihre Kunststücke beobachteten. Auch bei der für den Abend angesetzten Feuershow zeigte Kerry Balder ihr facettenreiches Repertoire.

Wer einen ruhigen Ort suchte, wurde im Rosengarten belohnt. Dort hatte sich eine Märchenerzählerin im stimmungsvollen Ambiente niedergelassen und zauberte fantastische Welten vor die Augen ihrer Zuhörer.

Am Sonntag kam es dann sogar zu einem spontanen Ritterschlag, der glaubwürdiger nicht hätte sein können. Der Burgherr selbst ehrte einen seiner Mitarbeiter, der lange Knappe gewesen war, mit der (spielerischen) Erhebung in den Ritterstand. Als "echter Lehnsherr" führte er selbst das Schwert, nur auf die traditionelle Ohrfeige zur ewigen Erinnerung des jungen Ritters an seinen Schwur verzichtete der freundliche Burgbesitzer, der sich durch lebhaftes Interesse an der mittelalterlichen Darstellung und ein sympathisches Auftreten auszeichnete. Das glückliche Gesicht des frisch ausgezeichneten Mitarbeiters war Belohnung genug – für seinen Chef und die begeisterten Besucher.

Ein unvergessliches Fest,
das nächstes Jahr hoffentlich wieder stattfindet


Selbst bei kritischer Betrachtung fällt nur wenig Verbesserungspotential auf. Einzig und allein eine bessere, beziehungsweise eine überhaupt existente Beleuchtung der Höfe bei Einbruch der Dunkelheit ist eine kritische Anmerkung wert. Da es um diese Jahreszeit schon sehr früh dunkel wird, wären Feuerkörbe und Fackeln im Außenbereich erforderlich. Derartige Beleuchtung unterstützt nicht nur das ohnehin schon recht eindrucksvolle Ambiente, sondern sorgt auch für eine Wärmequelle bei herbstlichen Temperaturen und dafür, dass alle sicher den Weg zum Ausgang finden. Auch der steile Weg zum Burgtor und hinab zum Parkplatz sollte mit Fackeln beleuchtet werden, anstatt die Besucher durch die nächtliche Schwärze tappen zu lassen.

Ansonsten bleibt festzustellen, dass selbst das Drumherum des Festes bis ins kleinste Detail gut durchdacht und ausgefeilt war. Parkplätze waren ausreichend vorhanden, sogar für später ankommende Gäste. Die Sanitäranlagen waren zu jeder Tageszeit schon fast peinlich sauber. Der Eintrittspreis lag nur einen Euro über der im Rest des Jahres üblichen Gebühr zur Besichtigung des Burgmuseums und war damit sehr fair kalkuliert. Zusätzlich gab ein ausführliches Programm mit Lageplan den Besuchern einen guten Überblick über alle am Burgareal angebotenen Attraktionen. Und bei Fragen war immer jemand persönlich zur Stelle: Entweder die Veranstalter selbst, die während des gesamten Festes präsent waren, oder die freundlichen Mitarbeiter des Burgmuseums, die sich ebenfalls sehr um die Gäste bemühten.


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Der Bogenstand Gesierich

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