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Gemeinfrei. Bildquelle: Wikimedia
"Die Gartenlaube" - das Grab der Dunkelgräfin. Zeichnung um 1863

Gemeinfrei. Bildquelle: Wikimedia
"Die Gartenlaube", 1886

Gemeinfrei. Bildquelle: Wikimedia
Marie-Antoinette und ihre Kinder, Öl auf Leinwand, 1787.

Polemon/Gemeinfrei. Bildquelle: Wikipedia.
Grab der Dunkelgräfin, 2011


Mythos Dunkelgräfin - Wer war sie wirklich?
Auf den Spuren einer angeblichen Prinzessin
Simone "Mone" Jatropulus
06.07.2012 08:41

Mehr als hundert Jahre schon hält sich das hartnäckige Gerücht, die sogenannte "Dunkelgräfin" von Hildburghausen wäre die Tochter Marie Antoinettes gewesen. Nun soll das Geheimnis gelüftet werden...

Am 7. Februar 1807 traf ein geheimnisvolles Paar in Hildburghausen im deutschen Thüringen ein, das schon bald im Volksmund hinter vorgehaltener Haned als Dunkelgraf und Dunkelgräfin betitelt wurde. Gerüchten zufolge soll es sich bei dem Paar um den holländischen Diplomaten Leonardus Cornelius van der Valck und Marie Thérèse Charlotte von Frankreich, Tochter einer der schillerndsten Persönlichkeiten der französischen Revolution - Marie Antoinette -gehandelt haben.

Historische Fakten

Die Ankunft des adeligen Paares konnte tatsächlich historisch belegt werden, ebenso der äußerst zurückgezogene Lebensstil und die Sterbedaten von "Compte et Comtesse des Ténèbres". Die Dunkelgräfin wurde zu Lebzeiten ausschließlich verschleiert gesehen, selbst beim Spaziergang in den eigenen Gärten war ihr Gesicht stehts verhüllt. Drei Jahre verbrachte das Paar direkt in Hildburghausen, ehe sie sich in das etwas außerhalb gelegene Schloss Eishausen zurückzogen, um sich nicht mehr der ständigen Neugier der Ortsansässigen aussetzen zu müssen. 1820 erwarben die Adeligen den Berggarten am Schulersberg, wo sich heute die letzte Ruhestätte der Gräfin befindet.

1837 starb die Dunkelgräfin im Alter von etwa 58 Jahren und wurde im seither sagenumwobenen Steingrab am Stadtberg von Hildburghausen beigesetzt. Ihr Gefährte überlebte sie um acht Jahre, wurde jedoch nicht an ihrer Seite, sondern auf dem Friedhof von Eishausen begraben. Nach seinem Tod soll ein von ihm verfasster Brief gefunden worden sein, in welchem er angibt, seine Liebste wäre eine Bürgerliche aus Westfalen gewesen und hätte den Namen Sophia Botta getragen. Erwiesener Maßen handelt es sich bei der männlichen Leiche tatsächlich um Leonardus Cornelius van der Valck. Doch auf keinem der beiden Gräber sind Namen zu finden, die Ruhestätte des Mannes enthält jedoch immerhin den Verweis "Dunkelgraf".

Die Gerüchteküche brodelt...

Bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, es handle sich bei der geheimnisvollen Dunkelgräfin um Marie Thérèse Charlotte, auch "Madame Royale" genannt. Auch einige Historiker unterstützen die Theorie, Marie Antoinettes Älteste wäre kurz vor der geplanten politischen Heirat mit dem Herzog von Angouleme durch eine andere Frau ausgetauscht worden. Mögliche Gründe für diesen fraglichen Tausch finden sich in weiteren, nicht bestätigten Aussagen, denen zufolge die französische Dauphine während der Gefangenschaft im Temple durch Vergewaltigung geschwängert wurde. Andere, ebenso fragwürdige Quellen vermuten eine zu hohe psychische Belastung der Madame Royale durch den Tod ihrer königlichen Eltern auf der Guillotine und die lange, beschwerliche Gefangenschaft. Bildnisse von Marie Thérèse Charlotte aus der Zeit vor und nach der Gefangenschaft sollen angeblich zwei völlig verschiedene Damen zeigen. Doch nicht nur äußerlich, auch charakteristisch soll sich ein unfassbarer Wandel der Prinzessin vollzogen haben: Vor der Hochzeit liebreizend und schüchtern, war sie angeblich nach der Hochzeit ein schroffes Biest. Dann wäre da auch noch die Beisetzung von Dunkelgraf und Dunkelgräfin an verschiedenen Orten in getrennten Gräbern. Und in den westfalischen Archiven finden sich außerdem keinerlei Hinweise auf die angebliche Bürgerliche Sophia Botta...

Nichts als die Wahrheit...

Nichts als die Wahrheit - das ist es, was man herausfinden möchte. Immerhin gibt es bisher keinerlei Beiweise, ob es sich tatsächlich um die französische Königstochter handelt. Lediglich Indizienbeweise, die auf reiner Spekulation beruhen, konnten bisher aufgewartet werden. Was bleibt, ist nur der Mythos. Vorerst... denn genetisches Vergleichsmaterial stünde bereits zur Verfügung. Doch ohne die Knochen der vermeintlichen Madame Royale, nützen auch vorliegende Proben aus der königlichen Familiengruft nichts.

Nach mehreren, abgewiesenen Ansuchen auf Exhumation des Dunkelgräfinnengrabes gibt es nun neue Hoffnung: Am 27. Juni 2012 bewilligte der Hildburghausener Stadtrat den Antrag des Mitteldeutschen Rundfunks Thüringen (MDR), die Gebeine der Dunkelgräfin zu exhumieren. Der MDR will eine lückenlose Filmdokumentation, von der Grabesöffnung bis zum Abschluss der wissenschaftlichen Untersuchungen, produzieren. Die Bewilligung ist ein großer Schritt in Richtung Wahrheitsfindung - doch noch ist nicht aller Tage Abend: Nun gilt es, sich mit dem Bundesdenkmalamt zu einigen, da das legendäre Steingrab unter Denkmalschutz steht.


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